Selbstmitgefühl lernen: Warum wir so streng mit uns sind
- Sonja Stevens
- 2. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

Selbstmitgefühl lernen im Alltag: Wie es sich zeigt, wenn es fehlt.
Heute möchte ich über Selbstmitgefühl sprechen und darüber, wie wir Selbstmitgefühl lernen können.
Selbstmitgefühl lernen ist oft ein leiser Prozess, der in kleinen Momenten beginnt.
Es gibt diese Momente, die kennt fast jede. Etwas läuft nicht so, wie du es dir gewünscht hast. Ein Gespräch, ein Fehler, eine Entscheidung. Und plötzlich ist sie da, diese Stimme in dir. Sie ist streng, schnell im Bewerten und oft alles andere als freundlich.
Mit anderen würdest du so nie sprechen. Mit dir selbst passiert es ganz automatisch.
Das hat nichts damit zu tun, dass mit dir etwas nicht stimmt. Es hat viel damit zu tun, was du gelernt hast. Viele von uns sind mit Sätzen groß geworden, die eher hart waren als liebevoll. Reiß dich zusammen. Das kannst du besser. Stell dich nicht so an. Irgendwann übernehmen wir genau diese Art zu sprechen. Nur dass sie dann von innen kommt.
Dazu kommt noch etwas ganz Menschliches. Wir sehen viel schneller, was nicht gut läuft, als das, was gelingt. Unser Blick geht oft sofort zum Fehler. Und gleichzeitig haben viele von uns den Wunsch, alles richtig zu machen. Stark zu sein, alles im Griff zu haben. Da bleibt wenig Platz für Freundlichkeit mit uns selbst.
Im Alltag zeigt sich das oft ganz leise. Du bist unzufrieden mit dir, obwohl du viel geschafft hast. Du denkst lange über Dinge nach, die nicht gut gelaufen sind. Du zweifelst schneller an dir. Und selbst kleine Dinge können sich plötzlich schwer anfühlen. Es kostet Kraft, ständig so mit sich zu sprechen.
Wenn du dir eine gute Freundin vorstellst, wird es plötzlich ganz klar. Wenn sie dir erzählt, dass etwas schiefgelaufen ist, würdest du nicht hart mit ihr sein. Du würdest zuhören. Du würdest versuchen zu verstehen. Du würdest ihr sagen, dass es in Ordnung ist, dass nicht immer alles klappt.
Warum also dieser Unterschied.
Weil du bei ihr den ganzen Menschen siehst. Nicht nur den einen Moment. Bei dir selbst vergisst du das manchmal und siehst nur das, was gerade nicht gut war.
Dabei würde sich so viel verändern, wenn du ein kleines bisschen freundlicher mit dir wärst.
Es geht nicht darum, dir alles schönzureden. Es geht darum, dich nicht zusätzlich runterzumachen. Du darfst ehrlich mit dir sein und trotzdem sanft.
Vielleicht hilft dir ein ganz einfacher Gedanke.
Wenn du merkst, wie streng du gerade mit dir bist, frag dich leise, was du jetzt deiner besten Freundin sagen würdest. Oder achte mal auf deine Worte. Ein harter Satz fühlt sich anders an als ein freundlicher. Und manchmal reicht schon eine kleine Veränderung, damit es sich innen ruhiger anfühlt.
Und manchmal brauchst du gar keine großen Gedanken. Nur einen Moment, in dem du innehältst und dir sagst, dass es gerade einfach viel ist. Wenn du so mit dir umgehst, kann sich etwas verändern. Der Druck wird weniger. Du wirst ruhiger im Kopf. Du gehst anders durch deinen Alltag. Nicht perfekt, aber ein Stück freundlicher mit dir selbst.
Du bist nicht nur dieser eine Moment, oder dieser Fehler. Denk daran, du bist viel mehr als das.

Kommentare